Erweiterte Lernwelten für Volkshochschulen

Es fing 2013 an. Mit einem kleinen Netzwerk. Sechs VHS-Menschen finden sich, um sich über ihre Leidenschaft, das Online-Lernen, auszutauschen. Sie sind überregional so engagiert, dass der DVV auf die Gruppe aufmerksam wird und sie beauftragt, ein Konzeptpapier darüber zu schreiben, wie Online-Lernen mit VHS-Arbeit zusammen gehen kann. Die Gruppe nannte das Konzeptpapier “Erweiterte Lernwelten für Volkshochschulen in Deutschland”.

Zwei Jahre später ist daraus das „Strategiepapier ‘Erweiterte Lernwelten’ des DVV“ geworden. Seit 2016 gibt es einen Referenten für Erweiterte Lernwelten (ELW). Zwei weitere Stellen sollen in dem Referat entstehen. Der Masterplan dazu ist im März einstimmig vom Vorstand und dem Mitgliederrat des DVV beschlossen worden. Auf dem Volkshochschultag wird der Masterplan vorgestellt. Wir möchten den Blog-Leser*innen jetzt schon die wichtigsten Punkte daraus mitgeben.

Die Einleitung beschreibt die Kernaspekte der digitalen Agenda und die besondere Bedeutung, die der Erwachsenenbildung bei einem Übergang in eine digitalisierte Gesellschaft zukommt. Für Volkshochschulen vollzieht sich dabei gerade auch ein Wandel in den Angeboten: „In dieser ersten Phase der Digitalisierung ging es vor allem um das Vermitteln und Erlernen des Umgangs mit Technik und mit Anwender-Programmen sowie um den Einsatz digitaler Lerninhalte im Unterricht, z.B. im Rahmen von Sprachlehrwerken. Heute geht es um einiges mehr. Mit digitalen, internetbasierten Werkzeugen vernetzen wir nahezu alle unsere Lebensbereiche, auch das Lernen.“

Die Autoren formulieren das Ziel,  „die Landesverbände und die Volkshochschulen dezidiert zur Ausgestaltung des digital unterstützten Lernens zu ermuntern und sie aktiv daran zu beteiligen.“ Mit Unterstützung des Internets soll das Lernen inhaltlich, sozial und räumlich ausgeweitet werden. Dies keineswegs als Konkurrenz zum Präsenzlernen, sondern als notwendige Ergänzung. Es gebe zurzeit günstige Rahmenbedingungen dafür, sich als Volkshochschule mit einer gemeinsamen Strategie auf den Weg zu machen.

„Für Volkshochschulen wird es in Zukunft elementar sein, kontinuierlich zu identifizieren, welche digitalen Prozesse die eigenen Bildungsideale, Bildungsziele und Bildungskonzepte unterstützen, optimieren und weiter professionalisieren. Diese Identifikation setzt strategische Übereinkünfte voraus, gemeinsame begleitete Weiterbildung und -entwicklung und mündet in konkrete Umsetzungen im Hinblick auf eine digitalisierte Lernpraxis.“

Es gibt bereits einige Projekte in der Volkshochschullandschaft, die mit onlinegestützten Lernformaten experimentieren. Angefangen bei Lernplattformen bis hin zu einigen MOOCs. Um diese Praxis zu erweitern und zu vergemeinschaften, schlägt das Strategiepapier einige Maßnahmen vor:

Digicircles – kleine regionale Netzwerke aus Volkshochschulen, die Freiräume zum Experimentieren schaffen, ELW umsetzen, aus dieser Praxis lernen und das Gelernte im Netzwerk teilen.

Leuchttürme – übergreifende Projekte mit dem Ziel, die analoge Lernwelt in VHS digital zu erweitern. Als ein Beispiel sei das Konzept für VHS-exklusive Sprachvideos genannt, die in einem Flipped-Classroom-Konzept an allen VHS angeboten werden können.

Zentrales VHS Portal – eine technische Infrastruktur für alle am Lernprozess Beteiligten. Für einen fachlichen Austausch unter pädagogisch Mitarbeitenden und Kursleitenden und die Einbindung von Content für die Lernenden.

Zentrale Supportstruktur – Unterstützung bei der technischen Umsetzung und Beratung bei der Weiterentwicklung der Volkshochschulen

Stefan Will, Referent für Erweiterte Lernwelten, DVV erklärt den Masterplan

Ich schätze, wir sind uns alle einig, dass Lernen, Lernumgebungen und die Rolle der Lehrenden sich in Zukunft sehr ändern wird. An dieser Stelle interessiert uns, was meinen Sie:

Was hat sich in den letzten Jahren bereits an Ihrer Volkshochschule verändert? In welche Richtung weist die Veränderung? Welche neuen oder anderen Aufgaben kommen dadurch auf die Leitungen und die Fachbereichsleitungen zu?


 

Mehr Informationen:

Strategiepapier „Erweiterte Lernwelten“ des DVV des DVV

Ein Gedanke zu “Erweiterte Lernwelten für Volkshochschulen

  1. E-Bikes und Masterplan

    Wer schon einmal E-Bike gefahren ist, weiß die Vorzüge zu schätzen. Ein E-Bike ermöglicht Menschen, die nicht ganz so fit sind, einen erweiterten Aktionsradius. Seien es Steigungen, die zu meistern sind, oder größere Entfernungen auch als Nicht-Profi lassen sich mit dem E-Bike schöne Touren machen. Ob allein oder, was auch sehr beliebt ist, in einer größeren Gruppe. Meistens sehen wir ältere Menschen mit diesen motorunterstützen Rädern. Und was für ältere Menschen geeignet ist, ist auch für ältere Bildungseinrichtungen geeignet und das sind die Volkshochschulen ja nun wirklich.

    Wenn wir uns auf die gemeinsame Reise in die Digitalisierung begeben, ist klar, dass jeder Beteiligte eigene Energie mitbringen muss. Wir müssen selber strampeln. Eine eigene Zielvorstellung sollte vorhanden sein. Die Mitarbeiter und Kursleitungen sollten „digitalisiert“ werden und nicht zuletzt sollten die technischen Rahmenbedingungen und das Finden der geeigneten Lerngruppen (Teilnehmer*innen) angegangen werden. Das ist im Detail dann nicht so einfach. Allein die Aufstellung einer digitalen Infrastruktur für Lerngruppen ist eine komplexe Herausforderung, zu vergleichen mit einem ziemlich steilen Berg auf unserer Tour. Genau hier will uns der Hilfsmotor (Masterplan) unterstützen. Entweder gehe ich mit anderen Volkshochschulen unter ein gemeinsames Dach (Lernplattform) oder ich nutze eine Lernplattform, die vom DVV im Rahmen der Umsetzung aufgebaut wird. Schon heute bietet der DVV Lernplattformen („Ich will Deutsch lernen“ oder „Ich will lernen“). Ist dieser Berg erst einmal geschafft, können wir evtl. wieder allein mit unseren Mitarbeitern weitere Schritte gehen. Der Masterplan der ELW kann hier auch als Guide benutzt werden. Wenn ich noch keine Fortbildungen für meine Mitarbeiter*innen oder Kursleitungen erstellt habe, nutze ich das Wissen der Kollegen vom DVV oder anderer Volkshochschulen, die hier schon weiter sind. Thomas Mandl von der VHS Holzkirchen-Otterfingen hat bereits ein gutes Konzept, um Kursleitungen in der Lernsoftware Adobe Connect zu schulen. Woanders gibt es weitere gute Konzepte. (siehe Seite „Projekte“ im Blog hier)

    Der Hilfsmotor bringt mir aber nur etwas, wenn ich mich aufs Rad setze. Der Masterplan kann mich in einigen Situationen unterstützen, die Gruppe, also das Netzwerk von Volkshochschulen, ist eine weitere Unterstützung.
    Und am Ende der Gruppenausfahrt sind alle angekommen. Es werden noch die Akkustände verglichen und derjenige, welcher am wenigsten Akkuleistung benötigt hat fühlt sich am besten. Angekommen sind alle.

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.