Gründung von Digicirclen

Digicircle sind im Konzept der Erweiterten Lernwelten ein wichtiges Element. In einem Digicircle schließen sich bis zu fünf Volkshochschulen zusammen und arbeiten in einer Art Werkstatt an der Umsetzung von Erweiterten Lernwelten in ihren jeweiligen Einrichtungen. Kern der Umsetzung ist ein Kursprodukt, welches die Ideen von ELW in die Praxis bringt und Lernenden die Möglichkeit gibt, neue Lernsettings auszuprobieren.

Bisher haben sich 15 Digicircle in der ganze Bundesrepublik gegründet. Der erste Digicircle entstand in Rheinland-Pfalz, die neueste Gründen fand in Hessen statt. Insgesamt beteiligen sich derzeit 95 Volkshochschulen mit Leitungen, pädagogischen Mitarbeitern, Lehrenden, Lernenden, Beiräten, kommunalen EDV-Abteilungen sowie Bürgermeistern und Landräten. Es bildet sich dabei die ganze Breite der Volkshochschulen ab. In den Digicirclen finden sich von ehrenamtlich geführten Volkshochschulen bis hin zu großen Bildungsbetrieben mit über 100 Mitarbeitern alles wieder. Weitere Gründungen sind in Planung. Die Digicircle werden von den Landesverbänden und dem DVV betreut und unterstützt. Sie erhalten individuelle Fortbildungstage nach dem jeweiligen Bedarf vor Ort in Präsenz und zusätzlich Onlinefortbildungen zu Grundlagenthemen, die für alle Volkshochschulen in Digicirclen interessant sind.

Alle Teilnehmer an Digicirclen werden online vernetzt und können so die digitalen Handwerkszeuge selbst ausprobieren und in der Praxis prüfen. Die Erfahrungen aus den durchgeführten Kursen und den sich darum entwickelnden organisatorischen Prozessen werden evaluiert und allen Volkshochschulen zur Verfügung gestellt. Sie können als Basis für Entwicklungsstrategien anderer Volkshochschulen auf dem Weg in ein digitales Zeitalter genutzt werden.

Neben eigenen Kursideen greifen viele Volkshochschulen auf bereits vorhandene digitale Lern-Tools zurück. Im Bereich der Sprachen gibt es vom Deutschen Volkshochschul-Verband das Lernportal www.ich-will-deutsch-lernen.de sowie die App Einstieg Deutsch. Beide Werkzeuge enthalten viel Content und ermöglichen den Einsatz in verschiedenen didaktischen Settings.

Ein weiteres häufig umgesetztes Projekt sind Betriebswirtschaftskurse mit dem Xpert Business Lernnetz. Das Konzept wurde von den Volkshochschullandesverbänden Baden-Württemberg und Sachsen zusammen mit dem EduMedia-Verlag entwickelt. Mithilfe von Büchern und Webinaren lassen sich auch hier sehr unterschiedliche Lernszenarien darstellen. Es kann z.B. ein klassischer Präsenzkurs mit Einsatz eines Buches oder die Teilnahme am Webinar von zu Hause realisiert werden.

Darüber hinaus entwickeln einige Volkshochschulen eigene Projekte. Zum Beispiel befassen sich diese mit der Implementierung von Lernmanagementsystemen in den Regelunterricht bei nachholenden Schulabschlüssen, um die Bereicherung von Yoga- und Pilates-Unterricht durch Lehrvideos, um neue Formate der politischen Bildung im Kontext des Rechtspopulismus, onlinegestützte Mehrsprachenkurse oder um spezielle Vortragsangebote für Mütter mit Neugeborenen, die direkt nach Hause gestreamt werden.

Allen Projekten ist gemein, dass sie sich um Fragen der Organisationsentwicklung kümmern. Themen wie Honorarordnung, Gebührenordnung, Zuwendungs-/Förderrichtlinien, Anforderungsprofil der Zukunft für hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter und Lehrende, Verwaltungsabläufe oder Verortung in der kommunalen Verwaltungsstruktur sind entscheidende Fragen für das Gelingen von Erweiterten Lernwelten.

(sw)