Internet der Dinge – bitte anschnallen!

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Der VHS-Tag 2016 wird sich auch mit zukünftiger Arbeit und Industrie 4.0 beschäftigen. Grundlage für diese Entwicklung wird das „Internet der Dinge“ sein.

Wir alle gebrauchen das Internet. Wir sind mehr oder weniger geübt darin. Wir suchen Informationen, machmal finden wir das Gesuchte, manchmal das Ungesuchte, je nachdem, wie gut die Suchmaschine ist bzw. unsere Suchanfrage. Das Internet als Informationsmedium kennen wir also. Naja zumindest den Teil, den wir nutzen.  Ich bezeichne dieses Internet als „Internet 1.0“. Bereits dieses rudimentäre Internet hat und wird unsere Gesellschaft weiterhin verändern. So werden in naher Zukunft bestimmte Berufe von der Bildfläche verschwinden. Letzte Woche habe ich wg. einer Finanzierung bei meiner Sparkasse angefragt. Ergebnis: ein Haufen Fragebögen. Die Ergebnisse werden dann im Sparkassencomputer einem Algorhytmus unterzogen und das Ergebnis wird automatisch ausgespuckt. Wozu braucht es dann noch einen Berater? Er liest mir nur noch vor, was der Algorhytmus ausgeworfen hat. G. Dueck hat diese Beratungsform als Computer-Hinterwand-Beratung bezeichnet. Berufe, die lediglich nachvollziehen, was Algorithmen bereits ausgerechnet haben, werden es künftig schwer haben.
Das Internet 2.0 ist mehr auf Kommunikation in Form der Dialogfähigkeit angelegt. Soziale Netzwerke basieren auf dem Prinzip, dass sich viele Menschen austauschen können. Dabei ist eine Reichweite möglich, die bisherige TV-Reichweiten übersteigt. Ohne einen kompletten TV-Sender zu besitzen kann ich mit dem Smartphone Millionen von Menschen erreichen. Damit nimmt die Vernetzungsdichte (Peter Kruse) enorm zu. Aktuell erleben wir dieses Phänomen in der politischen Debatte. Wer das Netz für seine Zwecke nutzt, hat einen entscheidenden Vorteil. Die AfD hat mehr „Freunde“ oder „Follower“ als die etablierten Regierungsparteien zusammen. Den Erfolg können wir ablesen.
Wir können aber nicht nur Meinungen austauschen, sondern auch Dienstleistungen. Das Share-Internet (2.0) vermittelt unterschiedliche Dienstleistungen.  Jeremy Rifkin, der prominente Zukunftsforscher aus USA hat diese Entwicklungen in seinem Buch „Die Null Grenzkosten Gesellschaft“ eindrucksvoll beschrieben. Diese über Plattformen geteilten Dienstleistungen kennen wir alle – Amazon, Zalando oder eBay.
MyTaxi oder Uber sind hier neuere Paradebeispiele. Über die App MyTaxi können Sie ein Taxi ordern. Sie bekommen vorab Informationen über das Auto, den Fahrer und wann das Taxi bei Ihnen ist. Dafür zahlt der Taxifahrer an My Taxi. Diese einfache Dienstleistung  nutzen immer mehr Menschen und MyTaxi mutiert zur größten Taxizentrale mit ca. 45.000 Taxen. Mittlerweile versteigert MyTaxi die Fahrten an die Taxifahrer. Die Abhängigkeit des Taxigewerbes ist enorm.
Das Unternehmen Uber geht einen Schritt weiter. Hier lassen sich Privatfahrer als Taxi nutzen. Die Kunden bekommen die gleichen Informationen, aber die Fahrt wird noch billiger. Wir kennen ähnliche Dienstleistungen, wenn wir in Urlaub fahren wollen (Opodo, ab in den Urlaub, …) oder ein Hotel buchen wollen (HRS, Trivago, …).  Diese großen Showbetreiber sammeln unsere Daten und präsentieren uns die passenden Produkte. Das eigentliche Mehrwert dieser Plattformen besteht im Sammeln unserer Daten und deren intelligente Nutzung, den Algorithmen. Wirtschaftlich stehen diese Plattformen schon an erster Stelle der börsennotierten Unternehmen. Apple, Google, Facebook, Amazon etc. sind die Giganten der Gegenwart. Ihr Kapital sind unsere Daten, aber das wissen hier alle schon.
Das Internet 3.0 scheint es nicht zu geben, deshalb gehe ich gleich den Schritt weiter. In der aktuellen Phase kommt der Begriff „Internet der Dinge“ ins Spiel. Es wird auch häufig als Internet 4.0 bezeichnet, da es zur Grundlage der 4. industriellen Revolution wird. Jetzt wird es spannend, denn viele Leistungen bleiben für uns unsichtbar und verändern unser Leben trotzdem massiv. Das Internet vermittelt nun nicht allein Informationen zwischen Menschen, sondern vernetzt Dinge miteinander. Das können Haushaltgegenstände, Maschinen, Kleidungsstücke, einfach alle Dinge sein. Dazu braucht es kleinste Sensoren, die in Echtzeit Messungen vornehmen. Zur Zeit sollen hier 13 Milliarden im Einsatz sein (Jeremy Rifkin). Eine Maschine wird mit Sensoren ausgestattet. Die Sensoren messen Kennzahlen im Betriebsmodus:  Parameter wie Temperatur, Geschwindigkeit, Abnutzung etc.. Diese Daten werden per Internet gespeichert und der Maschine selbst wieder zur Nutzung übermittelt. Die Maschine weiss nun selbst, wann ein möglicher Schaden entstehen kann und repariert sich selbst.
Wir können mittlerweile auch komplette Bauanleitungen an 3D-Drucker übergeben und diese produzieren die Gegenstände ohne nennenswerte menschliche Handwerksarbeit. Kleine Bauteile (IKEA-Ersatzteile, …), aber auch Häuser werden bereits produziert.
Andere Anwendungen werden über die Gesundheitsarmbänder, die unseren Gesundheitszustand messen: Herz- und Kreislaufinformationen, Art der Belastung, Ort der Belastung, Blutwerte etc. Das Armband speichert all diese Daten und kann sie direkt zu ihrem Arzt übermitteln. Das Armband ist übrigens mit einen GPS-Sensor ausgestattet und kann immer auf der Karte ihren Standort anzeigen.  All diese Daten können dann über das Armband oder eine der neuen Armbanduhren zur Verfügung gestellt werden. Übrigens auch etwas für besorgte Eltern, die wissen wollen, wo die Kleinen gerade unterwegs sind. In der Altenpflege können andere Sensoren eingesetzt werden.  So kann ein Teppichboden einen Sturz registrieren und daraufhin die Notanlage aktivieren.
Oder der Kühlschrank, der erkennt, wann Lebensmittel erschöpft sind. Er bestellt automatisch die Lebensmittel im Supermarkt. Natürlich wird zu der Uhrzeit geliefert, wo sie zuhause sind. Oder intelligente Stromnutzung: Lichtblick und Tesla arbeiten an einem Schwarmdirigenten, der die Verteilung von Strom, von Ökostromerzeugern speichert und über das Stromnetz bereitstellt. In einigen Jahren sollen auch private Stromerzeuger erfasst werden können. Die Vision: große umweltschädliche Kraftwerke braucht dann nur noch die Industrie.
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Wo wir gerade bei Visionen sind: Thomas Straubhaar, früher Chef des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (WWI), prognostiziert einen Wandel im Welthandel. Die Technologie der 3D-Drucker und deren Nutzung durch das Web wird die Notwendigkeit des Containertransportes erheblich einschränken. Er rät Hamburg bereits zur logistischen Abrüstung und mahnt eine intelligente digitale Nutzung des Hafens an. (Ganzer Artikel in der Welt-Online.de)

Die Sensoren werden auch unser gesellschaftliches Miteinander angreifen. Das bisherige Solidarprinzip wird aufgeweicht. In jedem Auto werden Sensoren die Fahrweise messen können. Nutzung, Verbrauch, Fahrstil – alles wird gemessen. Da stellt sich doch die Frage, warum ein Rentner, der 1 x in der Woche zum Einkaufen fährt, genauso viel an Versicherungsprämie zahlen soll wie ein Vertreter, der ständig unterwegs ist. Und warum soll jemand, der sich schlecht die Zähne putzt genauso so viel in die Zahnversicherung einzahlen wie ein sehr gründlicher Zeitgenosse, der mit der künftig sensorbestückten  Zahnbürste in Verbindung mit der Zahnapp seine Putzfähigkeit täglich dokumentiert – übrigens auch die Qualität der Zahnreinigung. Schon jetzt zahlen einige Krankenkassen einen Zuschuss, wenn sie sich ein Versicherter ein Datenarmband zulegt und dokumentiert, dass er jeden Tag 10.000 Schritte gegangen ist. Und wer in einigen Jahren kein Datenarmband hat? Der muss vielleicht einfach mehr Prämie bezahlen. Alles Messbare wird gemessen und dem Kriterium der Gerechtigkeit gegenübergestellt. Wohlhabende und Gebildete werden so auf Dauer auch weniger Beiträge in die Sozialsysteme einzahlen. Wer digital auf der Höhe ist, kann das für sich nutzen.
Viele Möglichkeiten im „Internet der Dinge“ sind großartig, sie können uns individuell Nutzen bringen. Datenerhebung, Datenvermeidung, Nutzung der Daten und Fragen der Ethik stellen ein Problem dar. Werden die Algorithmen im selbstfahrenden Auto entscheiden, ob im Konfliktfall der Rentner oder das Kind überfahren wird?
Was dem Einzelnen nutzt, kann der Gesellschaft als Ganzes schaden. Und das ist nicht auf Armbänder beschränkt, sondern auf alle Lebensbereiche. Wir alle, durch den Staat vertreten, bauen eine Breitband-Infrastruktur auf. Das kostet Milliarden. Wer streicht die digital verursachten Effizienzgewinne ein? Bleibt es dabei, dass die Kosten von uns allen getragen werden und die Gewinne weiterhin privatisiert werden? Wird die Schere zwischen arm und reich weiter auseinanderklappen? Das sind dann eher politische Fragen. Aber sicher können wir sein:
Was gemessen werden kann, wird gemessen!
p.s. Ein Blogartikel ist kein Buch. Deshalb ist hier Schluss. Wenn Sie weitere Beispiel für das Internet der Dinge haben oder Anmerkungen zum Inhalt, bin ich dankbar über einen Kommentar.

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3 Gedanken zu “Internet der Dinge – bitte anschnallen!

  1. Der letzte Satz ist entscheidend. Die Frage wird sein, wem die Daten gehören und welchen Wert die Daten haben. hier sehe ich auch eine Kernkompetenz der Volkshochschulen. Wer sich nicht mit Digitalisierung beschäftigt, darf sich nicht wundern, wenn Big Data Besitz von persönlichen Daten ergreift. Hier sind Aufklärung und Medienkompetenz gefragt.

  2. Pingback: 8 Lesetipps für Vielbeschäftigte - KW19/2016 - #DEEynamics

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