New Work

 Stocksmeyer_bestuhlung_sw.jpeg 14. April 2016 820 kB 2083 × 1274 Bild bearbeiten Unwiderruflich löschen URLTitelBildunterschriftAlternativtextBeschreibung DATEIANHANG ANZEIGENEINSTELLUNG Ausrichtung Link zur Größe Abwählen AGB_Stand_Jan20151.pdf Stocksmeyer_bestuhlung_sw


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Ich will hier mal nicht von digitalisierten Fertigungsprozessen durch Sensoren in der Produktion sprechen, auch nicht vom Wegfall vieler Arbeitsplätze, sondern von einem 30 jährigen neuen Mitarbeiter, die Generation, die den Stab übernimmt und die VHS weiterführt.

Montag/Dienstag/Mittwoch/Donnerstag/Freitag – 7 Uhr aufstehen – 8 Uhr aus dem Haus – 8.45 Uhr am Arbeitsplatz – 13 Uhr Mittag – 17 Uhr Feierabend – 18 Uhr zuhause. Den Urlaub und Feiertage abgezogen haben Sie bis zum 65. Lebensjahr ca. 7.900 Tage vor sich. Entrinnen können sie diesem Arbeitsalltag noch durch Krankheit. Mehr nicht. Das war`s.
Morgen, Mahlzeit, schönen Feierabend, schönes Wochenende. Wahrscheinlich stehen ihnen 3.640 Dienstbesprechungen bevor. Familie, Nachbarn und Kollegen kann man sich nicht aussuchen. Viel Glück! Vorgesetzte übrigens auch nicht.

Im öffentlichen Dienst scheint diese Perspektive immer noch ein Erfolgsmodell zu sein. Aber wie lange noch? Unter dem Stichwort New Work machen sich immer mehr jüngere Menschen auf den Weg, ihre Arbeit anders zu definieren.
Die Stichworte dazu sind: Unternehmenskultur, Demokratie im Unternehmen, Führung, Zeit und Arbeit, Ort der Arbeit und neue Werkzeuge.

Sicherlich gibt es in Bildungseinrichtungen und besonders in Volkshochschulen sehr unterschiedliche Organisationsformen. Aber ist es nicht so, dass über jeder Einrichtung ein Schleier des Bestehenden liegt, der Innovationen schwer macht? Neue Mitarbeiter sind bereits nach wenigen Jahren nicht mehr als neue Kollegen erkennbar. Schnell durch ältere Kollegen assimiliert, ist der Schwung dahin.

Mit dem obigen Arbeitsmodell sprechen wir Volkshochschulen auch eine Menschengruppe an, denen das Sicherheitsbedürfnis wichtig ist. Das können wir bedienen. Kündigung unwahrscheinlich ist unser Credo.

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Und überhaupt, Arbeit wird erst am Arbeitsplatz sichtbar. Wir honorieren meist noch die Anwesenheit, nicht die Effizienz. Dabei lassen neue digitale Technologien doch Ort und Zeit der Arbeit neu denken. Ja, Homeoffice für Frauen, die noch kleine Kinder haben, das geht schon. Aber warum nicht im Park oder anderswo arbeiten? Das Notebook als Büro macht es doch längst möglich. Wie junge Menschen schon heute über ihre Selbstverwirklichung im Arbeitsprozess nachdenken, beschreiben Beiträge, die das Businessnetzwerk Xing unter der Überschrift New Work zusammengestellt hat.
Im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs werden wir uns umstellen müssen. Nicht nur, was die Arbeitsorganisation und Unternehmenskultur angeht, sondern im digitalen Zeitalter sind es auch die Arbeitszuschnitte, die überprüft gehören. Ein Zusammenspiel von Medienkompetenz, neuen Formen der Kollaboration, digitale Lernsettings und Kursthemen werden unsere Innovationen bestimmen.
Nutzung von Web-Tools, die ein kollaboratives Arbeiten ermöglichen, könnte ein Schritt nach vorne sein. (Siehe hierzu auch die von uns genutzten Tools auf der Seite Über uns.) Was anderswo als Selbstverständlichkeit gilt, muss in Volkshochschulen noch durch Fortbildung von Mitarbeitern geschult werden. Bitte dabei nicht die Kursleitungen vergessen.


Be(Chef)tigung

Achtung: Dieser Audiobeitrag ist nur für Geschäftsführer, Leiter und Direktoren. Er fordert zu Konsequenzen auf!

Martin Busch vom Südwestradio spricht mit Wolf Lotter (Brand eins) über die Zukunft von Arbeit. 

Dank für diesen Link an Dr. Christoph Köck (Direktor des Hessischen Volkshochschulverbandes).

16 Gedanken zu “New Work

  1. Das Grundproblem ist m.E. das fehlende Vertrauen des Arbeitgebers in den Mitarbeiter. Der Arbeitgeber möchte kontrollieren, dass der MA für sein Geld auch arbeitet, da er davon ausgeht, dass der MA nicht freiwillig arbeitet.
    Die Entlohnung wird hier leistungsbezogen verstanden und da die Arbeitsleistung im Kreativ- und Wissensbereich schwerer (gar nicht ?) messbar ist als z.B. in der Produktion oder bei der Scangeschwindigkeit der Supermarktkassiererin, möchte der AG wenigstens die Arbeitszeit über eine physische Anwesenheit kontrollieren. Ob in dieser Zeit tatsächlich „gearbeitet“ wird , steht auf einem anderen Blatt.
    Wenn der Lebensunterhalt weiterhin durch bezahlte Arbeit bestritten werden soll, muss der Begriff „Arbeit“ in der Wissensgesellschaft neu definiert werden. Denn die sozialwissenschaftlichen, betriebswirtschaftlichen oder philosophischen Definitionen von Arbeit sind hier nicht ausreichend.

    Peter

  2. Ich könnte mindestens 90 % meiner Arbeit auch von zu Hause machen. Ich würde am Tag 2 Stunden Arbeitsweg sparen. Wäre produktiver und könnte besser Familie und Beruf vereinen.

  3. Ich bin da etwas gespalten…

    Klar wäre das oft äußerst angenehm (vor allem bei einem Wetter wie draußen grade 🙂

    Andererseits hatte ich im Schuldienst schon mal einen Job mit viel home office (was wegen Kleinkind damals super war) und habe dabei festgestellt, das es ziemlich Selbstdisziplin braucht, sich da nicht selbst auszubeuten. Gerade kreative Tätigkeiten sind ja eigentlich nie „fertig“ und dann wird es gern mal Mitternacht, bis man aus Erschöpfung aufhört. Auch nicht familienfreundlich…
    Das betrifft vor allem die motivierten Mitarbeiter/innen, die man ohne Kontrolle arbeiten lassen kann.

    Die Arbeitszeitgesetze kann da ja niemand kontrollieren… Insofern ist die klare Abgrenzung „Anwesenheit im Büro“ = „Arbeitszeit“ auch ein gewisser Schutz.

    • Hallo Axel,

      vielleicht ist aber gerade das Erlernen der Selbstkontrolle der nächste wichtige Schritt. Wenn dann Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit sich auflösen, wird Arbeit vielleicht auch nicht mehr so häufig als belastend empfunden, sondern eher als bereichernd?

      • Hallo Stefan, hallo Axel,

        das trifft sicherlich auch einen Teil des Problems.
        Die engagierten Menschen werden eher mehr / zuviel arbeiten. Wobei das was „zuviel“ ist natürlich definierbar ist, wenn Arbeit Freude macht und nicht belastend empfunden wird.
        Andere, die „nur“ ihren Job machen würden die homeoffice Zeit dann eher für private Dinge nutzen… (Komischer Weise wird dies dann Frauen unterstellt: Grit musste sich auf der Hausmesse unseres Dienstleisters bei der Vorstellung der homeoffice Lösungen anhören: „Sie müssen sich dann ja nur einloggen und können dann Fenster putzen“ – ziemlich sexistisch… :-/)

  4. Noch 3.640 Dienstbesprechungen??
    Um künftig excellente Mitarbeitende zu bekommen sollte wir das Thema New Work sehr ernst nehmen und uns im Management damit beschäftigen. Gerade in der Erwachsenenbildung, deren zeitlicher Schwerpunkt nicht von Mo. bis Fr. zwischen 8 und 17 Uhr liegt! Unsere Kunden/Teilnehmenden leben uns das Modell vor und kommen zum Lernen ganz flexibel, abends, am Wochenende, in den Ferien.

  5. Natürlich, eine höhere Flexibilisierung der Arbeitszeit ist wichtig. Schließlich soll die Work-Life-Balance funktionieren. Aber gibt es da nicht auch Grenzen? Bis wohin ist es förderlich und wann wird es eher anstrengend? Welchen Einfluss hat das auf die Teamarbeit? Wenn 90% der Arbeit von zu Hause erledigt wird zu Zeiten, die komplett frei gewählt sind, wo findet dann der Austausch statt? Die gemeinsame Weiterentwicklung von Themen, die sich im Laufe eines Gesprächs ergibt bei einer Tasse Kaffee? Das gemeinsame Diskutieren und Lachen beim Brainstorming, das Gefühl der Energie und der Motivationsschub, wenn man gemeinsam feststellt, auf dem richtigen Weg zu sein? Natürlich erleichtern Videokonferenzen, Hangouts etc den Austausch über Büro- und Städtegrenzen hinweg. Wenn aber dann doch alle zur gleichen Zeit vor ihren Rechnern sitzen, ist das auch keine wirkliche Flexibilisierung.
    Wie immer geht es also um das Maß und die richtigen Mittel zur richtigen Zeit.

  6. Es ist schon symptomatisch, dass das Thema „Selbstdisziplin“ hier nur als “ Selbstausbeutung“ decodiert wird…….
    Auch ich freue mich mal über einen Tag zuhause, konzentriert arbeiten können, auch wenn ich keine kleinen Kinder habe. Aber ich genieße auch den direkten Kontakt mit Leuten. Meine Feststellung: noch zumindest ist es so, dass manche KollegInnen dir Dinge erzählen, wenn sie dich sehen, sonst nicht. In Zukunft brauchen wir andere, selbstverständlichere Anlässe des Austausches, mehr Projektarbeit, mehr Delegation von Verantwortung nach unten….und andere gewerkschaftliche Vertretungen????Anderes Arbeitsrecht???
    Veränderung hat es in der Geschichte der Arbeit ja immer gegeben, ist also nicht wirklich historisch einmalig. Aber es stellt uns vor Herausforderungen auf alles Ebenen. Und eigentlich hat es längst begonnen, oder warum sitze ich hier Samstags morgens?

    • Wenn wir über veränderte Arbeitsbedingungen sprechen, dann ist es natürlich so, dass in der Präsenz Kommunikation theoretisch seine Stärken hat, wie Du es gerade beschrieben hast.
      Oft genug sitzen wir in unseren Einzel- oder Doppelzellen, treffen uns im Flur oder Fahrstuhl und erfahren Dinge, die wir zuhause nicht erfahren würden.
      Aber wir machen es uns mit dieser Feststellung auch leicht. Könnten wir nicht jetzt schon im Arbeitsalltag der Anwesenheitspflicht Räume und Gelegenheiten für einen Austausch finden, die sich nicht im Ritual der Dienstbesprechungen erschöpfen?
      Projektarbeit, Heike, da stimme ich Dir zu, kann einiges verändern. Noch besser wäre, wenn unsere Räume dies ermöglichen würden. Über Jahre habe ich als Teamleiter ein Einzelzimmer beansprucht. Teilweise , weil ich Personalgespräche zu führen hatte, teilweise aber auch, weil es meinem „Status“ entsprach. Smarte, offene Räume wären sicherlich eine Alternative, zumindest wenn das Team Räume für einen ständigen Austausch hätte und dieses wünschen würde. Ein Teamgespräch in einer Dienstbesprechung könnte die Bedürfnisse sichtbar machen.
      Vielleicht könnten wir mit diesen eher kleineren Veränderungen schon einen Schritt in Richtung New Work wagen.
      Mit schönen Grüßen aus der Abflughalle Airport Palma de Mallorca (auch irgendwie New Work ;-))

  7. Seh ich auch so, ich habe einen tollen Bericht über die Firma VauDe gesehen, die leben eine solche Unternehmenskultur schon.

    • Dann sind wir beiden quasi so was wie Vorreiter, liebe Heike 😉
      Abteilungsübergreifend teilen wir uns ein kleines Büro (ohne Rücksicht auf irgendeinen Status) und kommunizieren auch außerhalb der Arbeitszeiten über soziale Medien (natürlich auch zu Fachthemen)… Vielleicht sind wir alle doch flexibler als wir so denken???

  8. Die Veränderung der Arbeitswelt ist in erster Linie kein demokratischer Prozess sondern ist von Effizienz und im besten Fall von langfristigen kapitalistischen Entscheidungen geprägt. Es gibt nach wie vor unterschiedliche Interessen, die der Arbeitgeber und die der Arbeitnehmenden. Je stärker das verwischt um so stärker wird die Selbstausbeutung zunehmen. Die Gestaltung der Arbeit der Zukunft findet nur zu einem kleinen Teil in der Gesetzgebung statt und zu einem viel größeren Teil in den Betrieben. Wir brauchen also nicht nur eine Flexibilisierung und damit eine Vereinzelung, sondern in gleichem Maßen auch eine Bündelung der Interessen der Arbeitnehmenden, um die Zukunft der Arbeit mitzugestalten und nicht auf die Zugeständnisse der Arbeitgebenden zu warten.

  9. Längst durchgesetzt hat sich das Prinzip der komplettten Flexibilisierung bei den Lehrkräften. Nicht nur unsere „Kunden/Teilnehmenden leben uns das Modell vor und kommen zum Lernen ganz flexibel, abends, am Wochenende, in den Ferien“ (Claudia Kutzick), sondern ebenso wir, die Kurse mal am Vormittag, mal am Nachmittag und oft auch noch zusätzlich am Abend, am Wochenende und in den Ferien leiten. Das alles bekanntlich ohne soziale Absicherung, zu geringen Honoraren. Hier lässt sich sehr deutlich ablesen, was am Ende der Veränderung der Arbeitswelt stehen kann. Die Gestaltung von Arbeitsbedingungen ist keineswegs eine Frage des Designs, sondern eine Frage von Macht und Profit.

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